Gruppe verschiedenster Menschen bei einer Bürofeier
31.05.2022

3 Tipps zu Diversity in Unternehmen

Diversity ist mehr als bloßes Marketing – sie ist ein wesentlicher Faktor in der sozialen Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie Diversity in Ihrem Unternehmen gezielt fördern.

Diversity in Unternehmen ist ein wesentlicher Faktor in der sozialen Nachhaltigkeit

Vielfalt ist nicht nur eine Strategie, um Personal zu gewinnen. Sie spiegelt vielmehr die Unternehmenskultur wider, die Menschen jeglicher Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, jeglichen Alters und Geschlechts gleichberechtigt integriert. Außerdem haben mehrere Studien gezeigt, dass Diversität im Unternehmen zu höherer Rentabilität, mehr Wertschöpfung und Innovationen führen kann.

Auch wenn die Bedeutung von Diversity in Unternehmen wohl den meisten Verantwortlichen im Management und in den HR-Abteilungen bewusst ist, bei der Umsetzung gibt es Defizite. Ein beliebtes Beispiel dafür ist der Frauenanteil in Führungspositionen. Die Allbright-Stiftung hat hier die Entwicklung von 2020 zu 2022 untersucht. In Familienunternehmen liegt der Anteil von Frauen in der Unternehmensspitze unverändert bei nur 8,3 Prozent. Bei börsennotierten Unternehmen ist der Frauenanteil gestiegen und liegt bei 14,3 Prozent.

Diversity im Nachhaltigkeitsbericht

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, kurz DNK, unterstreicht die Bedeutung von Vielfalt und hat sie in seine 20 Kriterien für den Berichtsinhalt aufgenommen. Unternehmen müssen angeben, wie sie die Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetze einhalten. Zudem sollen sie zeigen, wiesie sich darüber hinaus für Chancengleichheit einsetzen, alle angemessen bezahlen, Diskriminierung vermeiden und einen positiven Beitrag zur Integration von Minderheiten leisten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern.

Die Unternehmen sollen ihre KPIs im Bereich Diversity darstellen. Herangezogen werden dazu die GRI-Standards. Beispielsweise wird beim Leistungsindikator GRI SRS-405-1 der Anteil der Angestellten nach Geschlecht, Alter und anderer Diversitätsindikatoren (wie z. B. Minderheiten oder schutzbedürftige Gruppen) angegeben. Der GRI SRS-406-1 bezieht sich auf Diskriminierungsvorfälle und wie diese behandelt beziehungsweise verhindert werden.

Auch der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) hat KPIs für Vielfalt festgelegt. Der Leistungsindikator EFFAS S03-01 bezieht sich auf die Altersstruktur der Mitarbeitenden, die Leistungsindikator EFFAS S10-01 sowie EFFAS S10-02 auf den weiblichen Anteil.

3 Tipps für Diversity in Unternehmen

1. Vielfalt fängt an der Spitze an

Diversity in Unternehmen fängt schon in den Chefetagen an. Achten Sie darauf, dass das Führungsteam divers aufgestellt ist. Dabei geht es um offensichtliche Kriterien wie Herkunft, Alter oder Geschlecht, aber auch die kognitive Vielfalt spielt eine Rolle. Homogene Teams treffen zwar meist schnellere Entscheidungen, es sind jedoch nicht immer die besten. Die Führungsebene sollte darüber hinaus Diversität selbst vorleben. Schulen Sie Ihre Manager, damit sie eine integrative Sprache verwenden und eine diverse Belegschaft fördern.

Achten Sie auf eine diskriminierungsfreie Arbeitsstätte – beispielsweise mit geschlechtergerechten Toiletten. Bieten Sie aber auch Fort- und Weiterbildungen an, zu denen alle Ihre Angestellten Zugang haben. Achten Sie bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes auf die Wünsche Ihrer Mitarbeitenden – hier geht es um ein ergonomisches Arbeitsumfeld, Remote Work und die eingesetzte Software.

2. Binden Sie die Mitarbeitenden ein

Haben Sie immer ein offenes Ohr für Ihre Mitarbeitenden und schaffen Sie dadurch die bestmögliche Lösung für alle. Ihre Angestellten sehen oft Probleme und Potenziale, von denen Sie vermutlich nichts wissen, weil Sie nicht konkret betroffen sind. Ideen und Feedback können Sie sich auf unterschiedliche Weise einholen:

  • Umfragen
  • anonymes Feedback
  • Mitarbeitenden-Versammlung
  • Betriebsrat

3. Schaffen Sie Richtlinien zur Diversity

Wenn Sie mehr Diversity im Unternehmen schaffen, müssen Sie gegebenenfalls Richtlinien und Prozesse anpassen. Das fängt beispielsweise schon bei der Stellenausschreibung an, die niemanden ausschließen und jeden ansprechen sollte. Möglich ist aber auch, dass Sie religiöse Feiertage einräumen, die nicht gesetzlich sind, eine Kita vor Ort schaffen oder flexible Arbeitszeitmodelle anbieten.

Es reicht aber nicht, diese Richtlinien nur aufzustellen. Achten Sie darauf, dass alle Mitarbeitenden davon erfahren, selbst Vorschläge machen können und die neuen Vorgaben auch einhalten.

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16.06.2021

Nachhaltigkeitsbericht erstellen: 5 Tipps fürs ESG-Reporting

Bei Nachhaltigkeit wird zunehmend genauer hingeschaut – der eigene Anspruch, die gesellschaftlichen Erwartungen sowie die gesetzlichen Anforderungen bei den ESG-Themen wachsen rapide. Hier kommen 5 Tipps für glaubwürdige Nachhaltigkeitsberichte.

Ob verpflichtet oder nicht – Sie tun gut daran, jetzt schon zu starten. Mit diesen 5 Tipps erstellen Sie einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht:

1. Commitment von höchsten Entscheidern einholen

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Ihre Geschäftsführung das Thema Sustainability als strategisch wichtiges Thema begreift. Einerseits, weil Ihrem Unternehmen schnell Greenwashing vorgeworfen werden kann. Das kann bis zur persönlichen Haftung des Managements führen. Andererseits, weil Ihre Kunden, Ihre Geschäftspartner und Ihre Mitarbeitenden intelligente Wesen sind. Sie bemerken, ob es authentisch ist, was die Geschäftsführung sagt, und ob diese tatsächlich soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit anstrebt.

Sollte Ihre Geschäftsführung nicht mit an Bord sein, haben Sie noch ein zweites Problem, wenn Sie den Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Sie brauchen sehr viele Menschen im Unternehmen, die Ihnen Daten liefern. Das werden diese häufig nur dann priorisieren, wenn sie wissen, dass es von oben gewollt ist und von den Führungskräften und den Vorständen mitgetragen wird.

Sie sollten nicht vergessen, dass ESG eine Schnittstellenfunktion ist, bei der Sie auf alle wichtigen Abteilungen im Unternehmen zählen können müssen. Holen Sie sich zu Beginn das Commitment für Nachhaltigkeit von der höchsten Entscheiderebene, um eine solide Basis für Ihren ESG-Bericht zu legen.

2. Planen Sie ausreichend Zeit für den Nachhaltigkeitsbericht ein

Wenn es sich um Ihre erste Dokumentation handelt, sollten Sie besonders darauf achten, dass Sie ausreichend Zeit einplanen. Ein Nachhaltigkeitsbericht ist mit Sicherheit keine Raketenwissenschaft. Doch beim ersten Mal ist das Herangehen noch nicht gelernt, nicht geübt und es wird eine Menge offene Fragen geben. Es kommt darauf an, ob Sie eine Vollzeitstelle als ESG-Manager:in haben und vielleicht sogar Kolleginnen und Kollegen, die Sie unterstützen. Oder ob Sie einen anderen Jobtitel haben und nur etwa 20 Prozent Ihrer Stelle für das Nachhaltigkeitsmanagement gedacht ist. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Vorgesetzten, wie Sie zeitliche Ressourcen realistisch einplanen können.

Eine weitere große Herausforderung, die Sie viel Zeit beim Erstellen des ESG-Reporting kosten kann, ist das Daten-Management. Mit den richtigen Tools und der richtigen Datenlage können Sie sich bis zu 90 Prozent Zeit ersparen.

Wie erstelle ich einen Nachhaltigkeitsbericht?

Einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Leichter geht es mit unserem praxisorientierten Playbook „In 7 Schritten zum Nachhaltigkeitsbericht“.

3. Die richtigen ESG-Tools, um Zeit und Kosten zu sparen

Überlegen Sie sich möglichst frühzeitig, welche Werkzeuge, also welche Sustainability Tools, Ihnen optimal bei der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts helfen können. Hier gibt es normalerweise zwei Lösungen:

Auf der einen Seite sind das gängige Tabellenprogramme, die den Vorteil haben, dass Sie bereits vorhanden sind. Der Nachteil daran ist die hohe Fehleranfälligkeit. Tabellenprogramme können nur sehr begrenzt ESG-wichtige Funktionen ausführen und das Datenmanagement ist meist umständlich. Darüber hinaus benötigen Sie häufig Agenturen für den Bericht beziehungsweise Designer für das Layout. Kosten und Zeitaufwand sind mit Tabellenprogrammen gerade im fortgeschrittenen Verlauf der Berichterstattung nicht zu unterschätzen.

Auf der anderen Seite gibt es dedizierte CSR-Management-Lösungen, mit denen Sie all Ihre Daten an einer Stelle gesammelt haben. Diese Tools ersparen Ihnen eine Menge Zeit und Frust bei der Eingabe und Verwaltung der Daten. Das ist übrigens auch der Grund, warum wir unsere CSR-Software entwickelt haben.

Und auch die Kosten sind mit professioneller ESG-Software deutlich geringer: Teure Agenturen und lange Abstimmungsschleifen fallen so weg und die Kosten liegen komplett in Ihrer Hand. 

4. Know-how aus Weiterbildungen oder von Berater:innen

Um einen Nachhaltigkeitsbericht erfolgreich erstellen zu können, benötigen Sie ein gewisses Sustainablity-Know-how. Es reicht zu Beginn, wenn ein Basiswissen gegeben ist. Sie sollten beispielsweise wissen, welche Rahmenwerke und Standards es gibt. Einen Überblick über die wichtigsten Standards finden Sie in unserem Factsheet.

Wichtig ist aber auch, wie der Prozess des Nachhaltigkeitsmanagements funktioniert und wo Risiken lauern. Dieses praktische Basiswissen ist jedoch unumgänglich, um einen glaubwürdigen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen und Reputationsrisiken zu vermeiden. Um es sich anzueignen, gibt es zwei Möglichkeiten:

Zum einen können Sie sich das Wissen über entsprechende Kurse oder Ausbildungen selbst erarbeiten. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Kurse von Experten aus der Praxis angeboten werden. Ein Hochschulzertifikat kann hilfreich sein, ist aber bei weitem nicht immer die beste Lösung, wenn es um ESG-Management in der Praxis geht.

Können oder wollen Sie sich das Wissen aktuell nicht selbst aneignen, gibt es zum anderen die Option externer Unterstützung. Achten Sie dringend darauf, dass die Beraterin, der Berater oder die Agentur das Thema wirklich versteht und schon lange in der Praxis umsetzt. Für einen Nachhaltigkeitsbericht reicht es nicht, dass eine Agentur schöne Texte und ansprechende Grafiken erstellen kann. Die sogenannten „Hochglanzbroschüren wirken häufig sogar kontraproduktiv, wenn es um Nachhaltigkeit und Authentizität geht.

CSRD: Neue Vorgaben für Nachhaltigkeitsberichte

Im Rahmen des Green Deal treibt die EU zahlreiche Maßnahmen für die Nachhaltige Transformation voran – u.a. auch die CSRD. Alle Einzelheiten erhalten Sie in unserem Factsheet.

5. ESG-Daten: Sammeln Sie Inhalte zum Thema Nachhaltigkeit systematisch

Um einen aussagekräftigen ESG-Bericht zu erstellen, ist eines unumgänglich: Ihre Dokumentation muss Fakten und Bemühungen zur Nachhaltigkeit im Unternehmen enthalten! Das heißt: Wenn Sie nichts im Bereich der Themen Umwelt, Sozial und Governance machen, wird es sehr schwierig, einen Bericht authentisch und erfolgreich zu gestalten. Nehmen Sie dies zum Anlass, um ESG-Maßnahmen im Unternehmen zu erkennen und zu sammeln, also Dinge, die Sie oder andere Abteilungen bereits ganz selbstverständlich tun. 

Viele Unternehmen, mit denen wir arbeiten, wissen überhaupt nicht, was sie schon alles im Bereich Nachhaltigkeit tun und sind nach einer Bestandsaufnahme positiv überrascht. Um eine solche Bestandsaufnahme zu machen, sprechen Sie am besten mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen. Insbesondere die Ressorts Einkauf, Umwelt-Management, Marketing und Kommunikation sowie HR werden Ihnen relevante Informationen liefern können.

Nehmen Sie den Bericht auch zum Anlass, neue Maßnahmen zu initiieren – auf Basis Ihrer Ziele und mit Blick auf die Wesentlichkeit Ihrer Maßnahmen. Wichtig dabei: Achten Sie bei der Datensammlung darauf, dass Sie alle Daten an einem Ort sammeln und aktuell halten!

Fazit

Bereiten Sie sich gut vor und erfüllen Sie diese fünf Punkte, so profitieren Sie sowohl im Prozess der Berichterstellung als auch erheblich in der Qualität des Endergebnisses. Vorbereitung ist, wie so oft im (Arbeits-)Leben, alles – auch beim Nachhaltigkeitsbericht.

Wir helfen Ihnen bei Ihrem Nachhaltigkeitsbericht

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Dr. Saskia Juretzek, Head of Sustainability bei der Tengelmann-Gruppe
12.12.2020

Dr. Saskia Juretzek: Nachhaltigkeit bringt viele Vorteile

Im Interview spricht die CSR-Expertin über ihre Definition von Nachhaltigkeit, ihren Werdegang sowie geschäftliche Vorteile von CSR. Außerdem erklärt Sie, für welche Art von Unternehmen Nachhaltigkeit überhaupt eine Rolle spielen kann.

Warum hast Du dich dafür entschieden, dich dem Thema zu widmen, woher kommt deine Leidenschaft dafür? Und warum findest Du unternehmerische Nachhaltigkeit wichtig?

Saskia Juretzek: Als Kind war ich mit meiner Familie viel im Wald unterwegs, wie auch auf Bauernhöfen, so dass mir Natur und Tiere immer sehr nah waren. Noch heute ist ein Spaziergang in einem naturnahem Wald für mich die totale Erholung. Ich stamme insgesamt aus einem umweltbewussten Haushalt und habe schon früh mitbekommen, wie wichtig Umweltschutz ist. Die Idee, mich mit dem Thema auch beruflich zu beschäftigen, entwickelte sich mit der Zeit und den beruflichen Möglichkeiten. Während meiner Zeit bei Accenture wurde ich Teil der neugegründeten Arbeitsgruppe für Nachhaltigkeit. Das Thema hat mich sofort angezogen, ohne genau zu wissen, was da dahinter steckt.

Um mein Wissen in diesem Bereich zu erweitern und mich beruflich darauf zu fokussieren, entschied ich mich, an der Leuphana Universität Lüneburg zu promovieren. Gleichzeitig startete ich in der Corporate Responsibility Abteilung der Telefonica Deutschland mit Fokus auf die Nachhaltigkeitsstrategie, das Reporting und die Kommunikation. Im Anschluss an die  Doktorarbeit ging ich zur Allianz SE, der Zentrale der Allianz Gruppe und beschäftige mich dort mit Strategieentwicklung, den SDGs und Berichterstattung. Für mich persönlich haben gerade große internationale Unternehmen durch ihre Reichweite die Möglichkeit, die Gesellschaft wesentlich positiv zu beeinflussen, Best Practices zu gestalten und das Umfeld zum Nachahmen anzuregen. Das sehe ich auch als eine Pflicht an. Es begeistert mich, Teil der Nachhaltigkeitsbewegung zu sein und diese aktiv mitgestalten zu können.

 

Immer wieder hört man die Frage „Was ist Nachhaltigkeit eigentlich genau?“
Gibt es die perfekte Corporate Responsibility-Definition?

Die perfekte Corporate Responsibility Definition gibt es aus meiner Sicht nicht bzw. gibt es auch keine einheitliche Definition, die jedem geläufig ist. Ich persönlich bin kein Fan vom Begriff Corporate Social Responsibility, da er rein sprachlich auf „Social“ fokussiert (wenn er auch bspw. durch die EU breiter definiert wird). Corporate Responsibility und Sustainability sind weiter gefasste Begriffe, die soziale, ökologische und ökonomische Aspekte umfassen.

Im Kern geht es darum, den sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen zu begegnen, negative Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit zu minimieren und positive zu erhöhen. Wesentlich für Unternehmen ist es, Nachhaltigkeit intern klar zu definieren und ein einheitliches internes Verständnis zu haben.

In jeder Branche kann CR etwas anderes bedeuten – in der Versicherung geht es bspw. um nachhaltige Produktlösungen und nachhaltige Anlagekriterien für Kundengelder, im produzierenden Gewerbe gegebenenfalls um die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette und den Energieverbrauch in der Produktion.

 

Unternehmerische Nachhaltigkeit ist gesamtgesellschaftlich gesehen unbestritten ein absolutes Kernthema für unsere Zukunftsfähigkeit. Für das einzelne Unternehmen steht jedoch häufig die Gewinnerzielungsabsicht über allen anderen Zielen.

Daher provokant gefragt: Kostet Nachhaltigkeit nur, oder gibt es auch ökonomische Vorteile sich als Unternehmen einer Nachhaltigkeitsstrategie zu verschreiben?

Saskia Juretzek: Provokant geantwortet – betrachtet man Nachhaltigkeit mittel- bis langfristig gibt es nur Vorteile. Es hängt also von der Betrachtungsweise ab, vor allem von der zeitlichen. Klassischerweise treten „trade-offs“ (Zielkonflikte) auf, wenn es um langfristige Investitionen, aber um kurzfristige Renditen geht.

Viele Investitionen in Nachhaltigkeit rechnen sich mittel- bis langfristig, verursachen aber heute Kosten. Kurzfristiges Renditedenken, getrieben von Shareholder-Erwartungen steht hier der Langfristigkeit nachhaltiger Entwicklung entgegen. Natürlich gibt es auch kurzfristige Vorteile und auch Win-Win-Situationen, aber sie sind eben nicht zwangsläufig die Regel.

Neben dem aktuellen Geschäftserfolg sollte ein Unternehmen seine langfristige Geschäftsbasis sichern. Wenn ich bspw. heute meine Böden so auslauge, dass ich sie in zehn Jahren nicht mehr nutzen kann, bringt mich das auf Dauer nicht weiter. Für eine ernsthafte und erfolgreiche Auseinandersetzung mit CR ist eine langfristige Perspektive unabdingbar und auch für ein dauerhaft erfolgreich bestehendes Unternehmen wesentlich.

Nachhaltigkeit steht ökonomischen Vorteilen also nicht entgegen, sondern ist die Basis für erfolgreiches unternehmerisches Handeln.

 

Unternehmen sind ja bekanntermaßen unheimlich unterschiedlich. Von Ein-Mann-Handwerksbetrieben, über den produzierenden Mittelstand, bis hin zu Großkonzernen, wie der Allianz.

Ist Nachhaltigkeit für alle wichtig, oder reicht es vielleicht sogar, wenn die „Großen“ sich um Zukunftsfähigkeit in ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten kümmern?

Saskia Juretzek: Die Antwort ist für mich recht klar. In Deutschland liegt die Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen bei mehr als 99%. Es braucht daher alle Akteure, um einen entscheidenden positiven Beitrag zur ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Zukunftsfähigkeit zu leisten.

Aber natürlich spielt die Größe eines Unternehmen eine Rolle. In Großunternehmen stehen mehr Kapazitäten zur Verfügung, der Hebel ist größer und häufig gibt es eigenständige CR-Abteilungen. Letzteres ist sicherlich in einem Zehn-Mann-Betrieb nicht sinnvoll oder umsetzbar. Dennoch können hier Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben, beispielsweise rund um Umweltschutz, übernehmen. Die Themen an sich ändern sich nicht zwangsläufig, aber natürlich die Ressourcen, die ich zur Verfügung habe.

Als nicht börsennotiertes Unternehmen habe ich im positiven Sinne mehr Freiraum und kann langfristiger planen als ein quartalsgetriebenes, börsennotiertes Unternehmen. Viele Familienunternehmen sind Nachhaltigkeitsvorreiter, sie denken und planen sehr langfristig, so dass Nachhaltigkeit leichter integrierbar ist – es kommt zu weniger Zielkonflikten zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen.

Dr. Saskia Juretzek

ist Head of Sustainability bei der Tengelmann-Gruppe. Seit über zehn Jahren ist sie als CSR-Managerin in Nachhaltigkeitsabteilungen von Großkonzernen aktiv. Sie hat im Bereich Nachhaltigkeit promoviert und bringt sich an diversen Hochschulen und Universitäten in die Lehre ein. Dr. Saskia Juretzek ist darüber hinaus Mitgründerin der Initiative „futurewoman“, die Frauen im  Nachhaltigkeitsbereich vernetzt. Außerdem gibt sie in der VERSO Academy ihr umfangreiches Wissen weiter und spricht als Referentin über die Themen CSR-Strategie und CSR in der Organisation.

Dr. Saskia Juretzek, Head of Sustainability bei der Tengelmann-Gruppe

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Bild von den 17 Sustainable Development Goals: No poverty, Zero hunger, Good health and well-being, Quality education, Gender equality, Clean water and sanitation, Affordable and clean energy, Decent work and economic growth, Industry Innovation and Infrastructure, Reduced inequalities, Sustainable cities and communities, Responsible consumption and production, Climate action, Life below water, Life on land, Peace Justice and Strong institutions, Partnerships for the goals
06.07.2020

SDG: Das Rahmenwerk für Nachhaltigkeit und CSR-Management der UN

In diesem Überblick erfahren Sie in sieben kurzen Punkten alles was Sie wissen müssen, um die Entwicklungsziele (SDG) für Ihr Unternehmen einzuordnen.

Licence to Operate

Kunden, Mitarbeiter und andere Interessengruppen fragen nach gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen Ihrer Geschäftstätigkeit. Es ist zunehmend klar, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen zur „Licence to Operate“ wird. Das CSR-Management (Corporate Social Responsibility) soll also strategisch(er) oder sogar erstmals angegangen werden. Wie das SDG-Rahmenwerk Ihnen dabei helfen kann, erfahren Sie im Artikel.

Wenn heute über die Umsetzung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen gesprochen wird, sind die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen fester Bestandteil der Agenda. Das Rahmenwerk hilft, CSR Management strategisch im Unternehmen zu gestalten. Allerdings ist am Anfang oft unklar, wie sich die SDGs nun konkret operationalisieren und in die Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmen einbinden lassen.

In unserem Überblicksartikel erfahren Sie in sieben kurzen Punkten alles was Sie wissen müssen, um die Entwicklungsziele (SDG) für Unternehmen erstmalig einordnen zu können. Den Ursprung der SDG stellen wir ebenso vor, wie die Rolle von Unternehmen, die deutsche Nachhaltigkeisstrategie und den Umsetzungsstatus. Vor allem geben wir Ihnen jedoch Antworten auf die Frage: Wie können Sie mit ihrem Unternehmen ein proaktiver Teil der nachhaltigen Entwicklung werden? Aber lassen Sie uns von vorne beginnen.

Die Wurzeln der SDG (Sustainable Development Goals)

Die Diskussion um eine nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt, die mit der Veröffentlichung des so genannten Brundlandt-Reports „Our Common Future“ im Jahr 1987 die breitere Öffentlichkeit erreicht hat (World Commission on Environment and Development), ist in der heutigen Zeit ungebrochen aktuell. In mehreren Entwicklungsschritten haben die globalen Zielsetzungen dieser Diskussion Eingang in die von den Vereinten Nationen veröffentlichten Development Goals (SDG) gefunden.

Die Rolle von Unternehmen im SDG Framework

Dabei wird auch ein Rahmenwerk aufgespannt, dass die Unternehmen als wichtige Akteure der nachhaltigen Entwicklung definiert und ihnen Hilfestellungen bei der Umsetzung von Maßnahmen auf der regionalen und betrieblichen Ebene anbietet. Die SDG betonen die Notwendigkeit der aktiven Beteiligung privater Unternehmen und appellieren an deren Kreativität und Innovation, um Werte für das Gemeinwohl zu schaffen. Dazu gehört zum Beispiel die Verringerung der Armut, die Ausmerzung des Hungers und den Schutz der biologischen Vielfalt.

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihre 17 nachhaltigen Entwicklungsziele stellen die Unternehmen vor die neue Herausforderung, ihre Operationen und Strategien auf die Anforderungen der SDGs abzustimmen.

17 übergeordnete Nachhaltigkeitsziele und Deutschlands Beitrag

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen „Transforming Our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development“ umfasst 17 globale Ziele (UN SDG) für eine nachhaltige Entwicklung. Die Agenda trat am 01. Januar 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft. Die Ziele umfassen verschiedene Themen, die wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit sind, wie zum Beispiel Armut, Diskriminierung, Klimawandel, Schutz der natürlichen Umwelt, Bildung und Arbeitsfragen. Basis für die Umsetzung der SDG in Deutschland ist die im Januar 2017 (Neuauflage 2018) von der Bundesregierung verabschiedete Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

Die 17 übergeordneten Nachhaltigkeitsziele sind die Folgenden:

  1. Keine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlbefinden
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichheit
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. Bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. Weniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. Nachhaltiger Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Zu diesen übergeordneten Zielen werden in der Agenda 2030 169 Unterziele vorgeschlagen, um die Länder bei der Überwachung ihres Beitrags zu den 17 UN SDG zu unterstützen. Eine wesentliche Rolle, um die Ziele zu erreichen, spielt hierbei der Beitrag von Unternehmen.

Bild von den 17 Sustainable Development Goals: No poverty, Zero hunger, Good health and well-being, Quality education, Gender equality, Clean water and sanitation, Affordable and clean energy, Decent work and economic growth, Industry Innovation and Infrastructure, Reduced inequalities, Sustainable cities and communities, Responsible consumption and production, Climate action, Life below water, Life on land, Peace Justice and Strong institutions, Partnerships for the goals

Zwei wesentliche Richtlinien zur Umsetzung der SDG in Unternehmen

Um die Implementierung der SDG und der Unterziele in die Lieferketten der Unternehmen zu erreichen, stehen verschiedene international anerkannte Richtlinien, wie die Global Reporting Initiative (GRI) und der UN Global Compact zur Verfügung.  Beide Richtlinien schlagen Indikatoren und Kennzahlen zur Messung der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen für die einzelnen UN SDGs vor.

Eine Annäherung an die Umsetzung der globalen Entwicklungsziele können Unternehmen also über den Umweg der Implementierung der GRI-Indikatorik erreichen.

Wie sich den SDG als Unternehmen also widmen?

Was brauchen Sie nun konkret, um sich den SDG und Nachhaltigkeit im Allgemeinen sinnvoll zu widmen? Maßgeblich sind erst einmal zwei Basispfeiler: Einerseits eine organisatorische und inhaltliche Verantwortung bei einer oder einem CSR-Beauftragten. Die zweite wichtige Voraussetzung ist ein Ort zur Bündelung aller nachhaltigkeitsrelevanter Daten. Ohne diese beiden Grundvoraussetzungen ist es quasi nicht möglich sich als Organisation dem Thema weiter zu nähern.

Doch auch mit klarer inhaltlicher Verantwortung und Datenbündelung ist es, je nach Unternehmensgröße, Branche und Interessengruppen, eine nicht zu unterschätzende und sehr individuell zu gestaltende Aufgabe, die SDG strategisch anzugehen.

Beratungsunternehmen aus dem Bereich der Nachhaltigkeit und des Nachhaltigkeitsreportings, wie auch wir bei VERSO, stehen Unternehmen und CSR-Manager:innen deshalb bei der Umsetzung mit Rat und Tat zur Seite.

Dass externe Unterstützung aufgrund der Komplexität der verschiedenen Richtlinien lohnenswert ist, zeigt unter anderem eine Studie von Van der Waal und Thijssens (2020). Diese bringt Licht in das „unentdeckte Terrain“ der SDG-Beteiligung von Unternehmen. Dazu werden in der Untersuchung die Nachhaltigkeitsberichte der 2000 weltweit größten börsennotierten Unternehmen analysiert.

Status quo der SDG-Umsetzung in der Wirtschaft

Momentan beschäftigen sich zwar bereits einige Vorreiter-Unternehmen intensiv mit der Umsetzung der SDG innerhalb ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Das Engagement der Unternehmen in den SDG insgesamt ist allerdings noch begrenzt. Es steht hauptsächlich mit dem Engagement für andere nachhaltigkeitsbezogene Themen sowie mit der Unternehmensgröße und dem Nachhaltigkeitsniveau des jeweiligen Unternehmens in Zusammenhang.

Man kann daraus schließen, dass das Engagement für die SDG einerseits aus regulatorischen Gründen erfolgt, es werden schlicht bestehende Gesetze befolgt. Andererseits liegen häufig institutionelle Gründe für ein Engagement vor. Die qualitative Prüfung der einzelnen Berichte zeigt, dass die Beteiligung der Unternehmen weitgehend symbolisch und absichtlich erfolgt und noch nicht substanziell ist. Dies legt den Schluss nahe, dass viele Unternehmen die SDG – ähnlich wie den Global Compact – als ein Schema mit unverbindlichen Auswirkungen betrachten. Kurz gesagt: Noch zu viele Unternehmen befassen sich momentan nur so intensiv mit den SDG, wie sie gesetzlich dazu gezwungen sind.

Um aber die weltweite Zukunftsfähigkeit zu ermöglichen, die die Sustainable Development Goals zum Ziel hat, müssen Unternehmen hier noch deutlich mehr tun. Glücklicherweise entdecken immer mehr Unternehmen, dass das Einflechten der Entwicklungsziele in die eigene Strategie notwendig und unumgänglich ist.

Warum nun Zeit ist umzudenken

An dieser Stelle vergeben leider viele Unternehmen noch die Chance, um von den positiven Effekten eines Engagements zu profitieren. Dabei entwickeln sich nicht selten während der Umsetzung auch ungeahnte betriebswirtschaftliche Effekte. Nachhaltigkeit und die Umsetzung der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sind also langfristig auf allen Ebenen lohnenswert und unumgänglich.

Neben einer aktiven Gesellschaft sind die Unternehmen die wichtigsten Akteure, um die großen globalen Ziele einer gerechteren Verteilung des Wohlstands und der Begrenzung der schädigenden Wirkungen der Globalisierung zu erreichen. Nur gemeinsam können wir die Agenda 2030 zum Erfolg führen. Lassen Sie uns gemeinsam anpacken!

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3 Gründe für Unternehmenserfolg durch Nachhaltigkeit
09.10.2019

3 Gründe, warum nachhaltige Unternehmen erfolgreicher sind

Ein erster Auszug des Gastbeitrags von einem unserer Gründer Andreas Maslo erschienen auf t3n.de.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trendthema. Welchen ROI (Return on Investment) gibt es für Unternehmen?

Plastik aus dem Alltag (und somit aus den Meeren) verbannen, weniger ins Flugzeug steigen, dem Klimawandel entgegenwirken und soziale Gerechtigkeit durch bewussten Konsum fördern: Es wird immer mehr darüber berichtet, welche kleinen und großen Maßnahmen jeder Einzelne von uns treffen kann, um unseren Planten wieder ein Stück gesünder zu machen.

Nun ein kleiner Perspektivenwechsel. Was tun Unternehmen für eine bessere Welt und welchen Einfluss haben sie darauf? Allein in Deutschland gibt es rund 3,44 Millionen Unternehmen (Stand 2024). Betrachten wir von der Gesamtanzahl den Anteil der Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern, haben wir eine Summe von etwas mehr als 453.000 Unternehmen. Was passiert wohl, wenn all diese Unternehmen sich konsequent nachhaltig ausrichten? Richtig, eine ganze Menge an positivem Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt. Doch viele Unternehmen fragen sich insgeheim, was sie selbst davon haben und tun sich schwer, einen ROI zu erkennen. Doch es gibt ihn – und das ist erwiesen.

1. Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie sind innovationsstärker

Unternehmen wie beispielsweise  Fjällräven haben sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrer Unternehmensphilosophie einen positiven Einfluss und Fußabdruck auf unserer Welt zu hinterlassen. So wird bei der Weiterentwicklung und Neugestaltung von Produkten die Natur als Inspirationsquelle genutzt und nicht der Chemiebaukasten zu Rate gezogen. Die ökologischen Vorteile liegen auf der Hand: niedrige bis keine negativen Umweltauswirkungen, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit – da auf natürlich vorhandene Materialien und Prozesse der Natur zurückgegriffen wird.

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