CSR, ESG oder Nachhaltigkeit: Wo liegen die Unterschiede?
29.01.2024

CSR, ESG, Nachhaltigkeit – Was ist der Unterschied?

CSR, ESG, Nachhaltigkeit: Was auf den ersten Blick nach ein und derselben Sache klingt, unterscheidet sich tatsächlich. Klären wir in diesem Beitrag den Unterschied zwischen den Begriffen „ESG“, „CSR“ und „Nachhaltigkeit“!

In diesem Beitrag vergleichen wir Äpfel mit Birnen, die auf den ersten Blick alle wie Äpfel aussehen – denn es geht um die recht ähnlichen Begriffe „CSR“, „ESG“ und „Nachhaltigkeit“. Sie lesen, was hinter diesen Wörtern steckt und inwiefern sie sich unterscheiden.

Was heißt CSR?

„CSR“ können Sie sich als eine Art moralische, ethische Basis für die Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens vorstellen. CSR steht für „Corporate Social Responsibility“. Und obwohl hier das Wörtchen „Social“ drinsteckt, ist hier nicht nur der soziale Aspekt von Nachhaltigkeit gemeint. CSR bezieht sich gleichfalls auf Umwelt und Unternehmensführung. Vielleicht sind Sie schon einmal über die Abkürzung „CR“ gestolpert – die steht für „Corporate Responsibility“ und klammert „Social“ bewusst aus, um Verwirrung zu vermeiden.

CSR oder CR damit ist sozusagen der Vorläufer von ESG. Oder, um es mit einer englischen Redewendung zu beschreiben: CSR walked so that ESG could run.

Die EU-Kommission hat CSR bereits 2011 wie folgt definiert:

„[E]in Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“

Wenn wir es genau nehmen, bezieht sich CSR also vorrangig auf das Bewusstwerden eines Unternehmens, welchen Einfluss es – aktiv oder passiv – auf Gesellschaft bzw. Umwelt nimmt. Ihrer Verantwortung begegnen Unternehmen im Sinne der CSR, indem sie qualitative Maßnahmen über das gesetzliche Minimum (z.B. CSRD, LkSG) hinaus ergreifen.

Whitepaper: Die ESRS im Überblick

Mit der CSRD wurden neue Standards für Nachhaltigkeitsberichte eingeführt. Erfahren Sie im Whitepaper alles Wichtige zu den European Sustainability Reporting Standards (ESRS).

Was heißt ESG?

„ESG“ ist die Abkürzung von „Environmental, Social, Governance“ – zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Im Gegensatz zu CSR ist ESG eher ein pragmatischer, detailorientierter Ansatz für Nachhaltigkeitsbestrebungen. Der Begriff umfasst Auswirkungen von Unternehmensstrategie und -praktiken auf diese drei Bereiche:

  • Environmental: Umweltkriterien wie z.B. Energieverbrauch, Klimastrategie oder Ressourcenmanagement
  • Social: Kriterien in Bezug auf Stakeholder (über Investoren hinaus) wie z.B. Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette, Diversity oder Gender Pay Gap
  • Governance: Kriterien der ethischen Unternehmensführung, wie z.B. Korruptionsprävention, Hinweisgeberschutz oder Lieferantenauswahl

ESG orientiert sich dabei quantitativ. So fordern etwa die ESRS, das Rahmenwerk für Nachhaltigkeitsberichte nach der CSRD, überwiegend eindeutige Kennzahlen.

Zugrunde liegt ESG die sogenannte „triple bottom line“. Die ist Ihnen vielleicht auch als „3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“ bekannt – ein Ansatz, nach dem nachhaltige Entwicklung nur dann möglich ist, wenn umweltbezogene, gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachhaltigkeitsziele gleichberechtigt verfolgt werden.

In 7 Schritten zum Nachhaltigkeitsbericht

Das Playbook für alle, die vor ihrem ersten Nachhaltigkeitsbericht stehen: To-dos und Tipps von unseren Sustainability-Expert:innen.

Und was ist dann Nachhaltigkeit?

Kommen wir damit zum letzten Punkt unserer Unterscheidung von ESG, CSR und Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit oder auch Sustainability ist sozusagen ein Dachbegriff für ESG und CSR. Ohne CSR und ESG kann Nachhaltigkeit nicht existieren.

Lassen Sie uns eine kleine Reise ins Erzgebirge des frühen 18. Jahrhunderts unternehmen. In der Bergbauregion war Holz eine so wichtige Ressource als Brenn- und Baustoff sowie zur Erzverhüttung, dass es langsam knapp wurde. Hans Carl von Carlowitz, der damals u.a. Leiter des Oberbergamtes Freiberg war und die Holzversorgung zu verantworten hatte, formulierte damals erstmalig die Nachhaltigkeitsdefinition, dass dem Wald nur so viele Bäume entnommen werden dürften, wie auch nachwachsen. Schon im 19. Jahrhundert etablierte sich diese Definition auch in anderen Bereichen.

Zoomen wir hinaus aufs große Ganze, bedeutet Nachhaltigkeit also: Systeme – ganz gleich welcher Art – dürfen nur so weit belastet werden, wie sie es ohne Schaden aushalten. Ressourcennutzung darf nur in diesem Umfang stattfinden.

Heute, im Jahr 2024, ist uns allen aber mehr als bewusst: Die meisten unserer Systeme sind bereits an ihre Grenzen gestoßen oder werden schon weit über ihre Grenzen hinaus genutzt. Ob Überfischung oder Entwaldung, der Abbau seltener Erden oder Ölförderung, Luftverschmutzung oder Ausbeutung von Menschen: Wir müssen den Nachhaltigkeitsgedanken wieder stärker fördern und jetzt handeln, um auch für künftige Generationen eine lebenswerte Zukunft zu schaffen.

Unternehmen obliegt beim Thema Nachhaltigkeit als Umsetzer von Verbraucherbedürfnissen, als Ermöglicher gewohnter Bequemlichkeiten und Lebensstandards die Hauptrolle. Indem sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden (CSR) und ihre Geschäfsstrategien sowie Lieferketten umstellen (ESG), haben sie die Nachhaltige Transformation in der Hand.

Fazit: Ist ESG oder CSR wichtiger?

Und um abschließend noch die oft gestellte Frage zu beantworten, ob ESG oder CSR wichtiger sei: Beides greift ineinander. Nur hat sich ESG heute als gängiger Begriff für eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie etabliert.

CSR stellt den Grundgedanken, den es für die Nachhaltige Transformation der Wirtschaft braucht: Das Bewusstsein, dass Unternehmen Verantwortung tragen und entsprechend handeln müssen. ESG wiederum gibt Möglichkeiten vor, um gezielt zu handeln. So werden aus Verantwortungsbewusstsein messbare, wirkungsvolle Aktionen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Tragen Sie sich ein und erhalten Sie regelmäßig Neuigkeiten zu:

  • Aktuellen ESG-Themen und Gesetzesänderungen
  • Best Practices aus den Bereichen ESG und nachhaltige Lieferketten
  • News zu VERSO
  • Sustainability Events uvm.
Bankgebäude in Frankfurt: Zukünftig fließt das ESG-Commitment in Kreditentscheidungen ein
03.11.2023

ESG in der Finanzierung: Diese Daten entscheiden über Kredite

„Ihr Kreditantrag wurde abgelehnt.“ Einen solchen oder ähnlichen Satz hören manche Unternehmen in Zukunft möglicherweise öfters. Der Grund: Sie konnten die von der Bank geforderten ESG-Daten nicht liefern bzw. den Ansprüchen gerecht werden. Denn Nachhaltigkeit rückt auch in der Finanzbranche immer stärker in den Fokus. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie sich ESG-Daten auf Finanzierungen auswirken und welche Daten Unternehmen jetzt bereitstellen müssen, damit ihre Kreditanträge auch weiterhin bewilligt werden.

Wie es zum schärferen Blick auf Finanzierungsanträge kommt

Ausreichend Eigenkapital, hoher Cashflow, eine sichere Marktposition und eine solide Unternehmensstrategie – konnte ein Unternehmen das bei einem Finanzierungsantrag vorweisen, war der Kredit so gut wie sicher. Damit ist jetzt Schluss. Denn in die Kreditentscheidung fließen inzwischen auch ESG-Kriterien ein.

Aber wie kommt es dazu? Wagen wir einen kurzen Deep Dive, um diese Frage zu beantworten. Falls Sie sich in Finanzthemen nicht so gut auskennen: Keine Sorgen – auch wenn wir alle wichtigen Punkte genau beleuchten, bleiben wir im Nichtschwimmer-Bereich. Wer nur Zeit für die harten Fakten hat, kann diesen Abschnitt überspringen und unter „Diese ESG-Daten wollen Banken jetzt sehen“ weiterlesen.

Green Deal, Klimaschutzgesetz, SFDR, MaRisk: Viele Anforderungen – ein Ziel

Hintergrund dieser neuen Entwicklung ist eine Vielzahl von Vorgaben im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der EU. Arbeiten wir uns hier einmal von außen nach innen vor. Mit dem European Green Deal haben sich die Mitgliedsstaaten der EU zur Nachhaltigen Transformation von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie verpflichtet. Bis 2050 will die EU klimaneutral werden. Parallel dazu hat sich Deutschland mit dem neuen Klimaschutzgesetz vorgenommen, bis 2045 treibhausgasneutral zu werden.

International nimmt Europa mit diesem Plan eine Vorreiterrolle ein. Nun gilt es, den Green Deal auch in der Praxis umzusetzen und Wege zu finden, die Nachhaltige Transformation in Bewegung zu bringen. Und der wohl mächtigste Hebel für handfeste Veränderungen in der Wirtschaft ist – genau – Geld. Wer Nachhaltigkeit vorantreiben will, muss Finanzströme umleiten.

Keine Lücke im Kreditantrag

Effizient, transparent und prüfungssicher: Mit der ESG-Software von VERSO stellen Sie Ihrer Bank lückenlos alle geforderten Nachhaltigkeitsinformationen zur Verfügung. Jetzt mehr erfahren:

Sustainable Finance Disclosure Regulation

Mit der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) hat die EU schon 2019 eine Maßnahme in Kraft gesetzt, die Finanzmarktteilnehmer wie Banken und Kreditinstitute zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet. Der Ansatz der SFDR: Banken müssen Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Aspekte ihrer Finanzprodukte transparent machen. Wie wirken sich ESG-Kriterien auf die Produkte aus? Und wie wirkt sich der Finanzhandel umgekehrt auf Umwelt und Gesellschaft aus?

Die 7. MaRisk-Novelle verpflichtet Banken unter anderem dazu, ESG-Aspekte bzw. -Risiken in der Kreditentscheidung und -überwachung zu berücksichtigen. Ähnlich wie es Versicherungsanbieter schon seit Jahren handhaben, werden Banken und Kreditinstitute also zum Beispiel prüfen, welcher Branche ein Unternehmen angehört, wie hoch der Emissionsausstoß ist oder wie es um die Gleichberechtigung steht.

Der Studie „Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Kreditprozess für Firmenkunden“ (2023) zufolge berücksichtigen zwar erst 38 % der befragten Banken ESG-Risiken. Doch die Folgen der Entwicklung sind schon jetzt spürbar. So lehnten Banken und Fonds beispielsweise schon 2021 den Antrag der STEAG ab – unter anderem, weil der Stromerzeuger mehrere Steinkohlekraftwerke betreibt und eine unsichere Kohleausstiegsstrategie verfolgt.

Keine Finanzierung ohne ESG-Check: Diese Daten wollen Banken jetzt sehen

Zur generellen CSR-Berichtspflicht kommen also weitere Verpflichtungen hinzu – zumindest für die Unternehmen, die eine Finanzierung benötigen. Doch welche Nachhaltigkeitsinformationen sind jetzt konkret gefordert? Der Bundesverband deutscher Banken hat einen ersten Fragenkatalog zusammengestellt, der Nachhaltigkeits-KPI zusammenstellt.

Der ESG-KPI-Grundkatalog orientiert sich an der CSRD, der EU-Taxonomie sowie verschiedenen Berichtsstandards wie GRI. Neben allgemeinen Informationen zum Unternehmen finden Sie in dieser Übersicht Fragen zu folgenden ESG-Aspekten:

  • Umwelt und transitorische Risiken – z.B.: Welcher Anteil der Geschäftsaktivitäten Ihres Unternehmens wirkt sich negativ auf Biodiversität oder das Ökosystem aus?
  • Physische Risiken – z.B.: Welche Maßnahmen hat Ihr Unternehmen zur Reduzierung physischer Risiken getroffen bzw. geplant?
  • Soziales – z.B.: Verfügt Ihr Unternehmen über eine Anti-Diskriminierungs-Richtlinie?
  • Governance – z.B.: Ist in Ihrem Unternehmen die Vergütung der Führungsebene (auch) an die Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen gekoppelt?

Der Bankenverband räumt ein, dass dieser Katalog nicht abgeschlossen ist und für Banken nicht verbindlich ist. Für Unternehmen heißt das also: Sammeln Sie Ihre ESG-Daten strukturiert und behalten Sie den Überblick. So fällt es Ihnen leichter, Ihrer Bank bei Finanzierungsanträgen alle benötigten ESG-Daten schnell zur Verfügung zu stellen. VERSO unterstützt Sie dabei – mit Software, Services und Weiterbildung.

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Tragen Sie sich ein und erhalten Sie regelmäßig Neuigkeiten zu:

  • Aktuellen ESG-Themen und Gesetzesänderungen
  • Best Practices aus den Bereichen ESG und nachhaltige Lieferketten
  • News zu VERSO
  • Sustainability Events uvm.

Jetzt anmelden!