Cybersicherheit in der Lieferkette: Risiken erkennen und systematisch steuern
„Cyber Insecurity“ ist eines der größten Risiken und betrifft die ganze Lieferkette. In diesem Artikel erfahren Sie, warum und wie Sie Cybersicherheit in der Lieferkette umsetzen sollten.
Das World Economy Forum (WEF) stuft in seinem aktuellsten Global Risks Report „Cyber Insecurity“ als eines der größten (Platz 6 Short-Term) globalen Risiken ein – und für Einkaufsverantwortliche ist es laut Hackett Group sogar Risikofaktor Nummer 1. Mit der neuen NIS-2-Richtlinie rückt zudem klar in den Fokus: Cybersicherheit betrifft die gesamte Lieferkette und endet nicht an den eigenen Werkstoren. Zeit also, sich konkret Cybersicherheit in der Lieferkette anzusehen und Cyberrisiken konsequent aus Einkaufs- und Lieferkettenperspektive zu denken.
Das Wichtigste zu Cybersicherheit in der Lieferkette
Was versteht man unter Cybersicherheit in der Lieferkette?
Cybersicherheit in der Lieferkette beschreibt alle Maßnahmen zur Sicherstellung von IT-Sicherheit und Informationssicherheit bei externen Dienstleistern, Zulieferern und Drittanbietern, die Zugriff auf Systeme, Daten oder kritische Prozesse haben. Cybersicherheit in der Lieferkette umfasst damit die systematische Absicherung der gesamten Supply Chain gegen digitale Bedrohungen.
Warum ist Cybersicherheit in der Supply Chain wichtig?
Moderne Lieferketten sind hochgradig vernetzt: Unternehmen arbeiten mit Cloud-Providern, IT-Dienstleistern, Logistikern, Beratungen, Outsourcing-Partnern und vielen weiteren Akteuren zusammen. Daten fließen über Systemgrenzen hinweg, externe Partner greifen auf unternehmensinterne Anwendungen zu, kritische Prozesse hängen von Drittparteien ab. Gerade in global vernetzten Supply Chains entstehen dadurch neue digitale Angriffsflächen.
Genau diese Vernetzung macht die Supply Chain anfällig für Cyberangriffe. Eine einzige Schwachstelle – etwa ein schlecht gesicherter Dienstleister mit VPN-Zugang oder ein Software-Zulieferer mit unzureichenden Sicherheitsstandards – kann ausreichen, um Angreifern den Weg ins eigene Unternehmen zu ebnen. Dieses sogenannte Third-Party-Cyber-Risiko ist heute einer der zentralen Treiber für Sicherheitsvorfälle in Unternehmen und damit ein Kernproblem der Cybersicherheit in der Lieferkette.
So sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst:
„Angreifer suchen sich die schwächste Stelle aus. Gerade bei besonders gut geschützten Unternehmen sind das häufig weniger gut geschützte Zulieferer. (…) Zur Verbesserung der Cybersicherheit muss es darum gehen, Geschäftspartner entlang der Lieferkette zu sensibilisieren, Schutzmaßnahmen zu vereinbaren und gemeinsam zu implementieren.“
Die Folgen reichen von Betriebsunterbrechungen über finanzielle Schäden bis hin zu massiven Reputationsverlusten. Cybersicherheit in der Lieferkette bedeutet daher: Nicht nur das eigene Unternehmen muss widerstandsfähig sein, sondern das gesamte Supply-Chain-Ökosystem, in dem es sich bewegt.
Die Herausforderungen von Cybersicherheit in der Lieferkette
In der Theorie ist klar: Lieferkettenrisiken – auch solche, die mit IT-Sicherheit zu tun haben – müssen systematisch erfasst und gesteuert werden. In der Praxis scheitert das aber selten am fehlenden Willen, sondern an fehlenden Strukturen. Gerade hier zeigt sich, wie anspruchsvoll Cyber-Risikomanagement tatsächlich ist.
Typische Herausforderungen:
- Fehlende Transparenz über relevante Lieferanten
Viele Unternehmen wissen nicht genau, welche Lieferanten aus IT-Sicht besonders kritisch sind. Systemzugriffe, Datenflüsse oder Abhängigkeiten sind oft nicht zentral erfasst. Dadurch bleibt unklar, wo ein Angriff besonders wehtun würde. - Unterschiedliche Reifegrade bei Lieferanten
Während einige Partner etablierte Sicherheitsstandards und Zertifizierungen vorweisen können, verfügen andere kaum über dokumentierte Maßnahmen oder Sicherheitsniveaus. Diese Heterogenität erschwert eine einheitliche Bewertung von Risiken und Maßnahmen und macht sichtbar, dass es keine One-Size-Fits-All-Lösung gibt: Stattdessen sind dedizierte Lieferanten-Engagement-Gespräche notwendig. - Manuelle und unstrukturierte Abfragen
Informationen zu Sicherheitsvorkehrungen werden häufig per E-Mail, Excel oder individuellen Fragebögen eingeholt. So eine manuelle Risikoanalyse ist aufwendig, fehleranfällig und nicht skalierbar – insbesondere bei großen Lieferantenportfolios. - Fehlende Aktualität der Informationen
Einmal erhobene Daten werden selten regelmäßig aktualisiert. So bleiben Veränderungen – etwa bei der IT-Landschaft eines Lieferanten, bei Vorfällen oder bei neuen Zertifizierungen – häufig unentdeckt. - Mangelnde Nachweisfähigkeit im Prüfungsfall
Selbst wenn Maßnahmen umgesetzt werden, sind sie oft nicht konsistent dokumentiert. Kommt es zu Audits, regulatorischen Prüfungen oder Sicherheitsvorfällen, fehlt ein zentraler, belastbarer Überblick.
Diese Punkte machen deutlich: Cybersicherheit in der Lieferkette lässt sich nicht mit einzelnen, punktuellen Maßnahmen lösen. Was fehlt, sind strukturierte, wiederholbare und nachvollziehbare Risikobewertungen, die Transparenz schaffen und Risiken dauerhaft steuerbar machen.
Cyber Risk Management als Grundlage für Cybersicherheit in der Lieferkette
Um Cyber-Risiken in der Lieferkette wirksam zu adressieren, braucht es einen ganzheitlichen Ansatz. Cybersicherheit in der Lieferkette ist dabei kein isoliertes IT-Thema, sondern Teil des strategischen Supply-Chain-Risikomanagements.
Wichtige Überlegungen sind:
- Strukturiertes Risikomanagement für Lieferanten
Lieferanten sollten nicht nur nach Preis, Qualität und Lieferfähigkeit bewertet werden, sondern auch nach ihrem Cyber-Risikoprofil. Dazu gehören standardisierte Risikoanalysen, klare Kriterien und einheitliche Bewertungslogiken. - Verbindliche Sicherheitsanforderungen an Dritte
Sicherheitsstandards – etwa zu Zugriffen, Verschlüsselung, Incident-Management oder Patch-Management – sollten vertraglich verankert werden. Nur so wird Cybersicherheit zu einem festen Bestandteil der Zusammenarbeit. - Klare Kommunikations- und Eskalationswege
Im Ernstfall zählt jede Minute. Unternehmen benötigen definierte Ansprechpartner, Meldewege und Prozesse, um Vorfälle bei Lieferanten schnell zu erkennen, zu bewerten und gemeinsam zu beheben. - Regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung
Bedrohungslagen verändern sich, ebenso wie IT-Landschaften, Lieferantenbeziehungen und Risikobewertungen. Cyber-Risiken müssen deshalb kontinuierlich überprüft und Bewertungen regelmäßig aktualisiert werden – nicht nur einmalig beim Onboarding eines Lieferanten.
Wie stellt man Cyber-Sicherheit in der Lieferkette sicher?
Wie können Unternehmen nun konkret vorgehen, um Cybersicherheit als Lieferkettenrisiko systematisch zu managen? Bewährt hat sich ein schrittweises Vorgehen:
1. Relevante Lieferanten, Zugriffe und Abhängigkeiten identifizieren und priorisieren
Zu Beginn muss Transparenz darüber geschaffen werden, welche externen Partner aus Cyber-Sicht tatsächlich kritisch sind. Entscheidend sind dabei nicht nur Vertragsbeziehungen, sondern konkrete Systemzugriffe, Datenflüsse und operative Abhängigkeiten – also der tatsächliche potenzielle Impact auf Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit. Das ist zu tun, damit Sie die wirklich relevanten Partner und Abhängigkeiten gezielt segmentieren:
- Alle externen Systemzugriffe (z. B. VPN, APIs, Cloud-Integrationen) zentral erfassen
- Lieferanten anhand ihres Zugriffs- und Daten-Impacts in Kritikalitätsklassen einteilen
- Besonders sensible oder geschäftskritische Abhängigkeiten (Single Points of Failure) identifizieren
- Nicht mehr benötigte oder überprivilegierte Zugänge konsequent reduzieren (Least-Privilege-Prinzip)
2. Risiken kontinuierlich überwachen und transparent machen
Cyber-Risiken in der Lieferkette verändern sich fortlaufend – durch neue Bedrohungen, veränderte IT-Landschaften oder Anpassungen in der Zusammenarbeit. Bewertungen sollten daher nicht nur regelmäßig aktualisiert, sondern auch übergreifend steuerbar gemacht werden:
- Regelmäßige Re-Assessments für kritische Lieferanten etablieren
- Anlassbezogene Neubewertungen bei Vorfällen oder wesentlichen Änderungen durchführen
- Aggregierte Risiko-Dashboards zur Portfolio-Steuerung einführen
- Zentrale KPIs (z. B. offene High-Risk-Findings, Remediation-Quote, Assessment-Abdeckung, Security Monitoring) kontinuierlich überwachen
- Einhaltung regulatorischer Compliance-Anforderungen inkl. Dokumentation für NIS-2-Compliance
3. Maßnahmen dokumentieren und Nachweisfähigkeit sicherstellen
Alle Bewertungen, Entscheidungen und Maßnahmen sollten zentral dokumentiert werden. So lässt sich nachweisen,
- dass Risiken erkannt und adressiert wurden,
- welche Anforderungen an Lieferanten gestellt wurden,
- wie auf Vorfälle reagiert wurde.
Diese Nachweisfähigkeit ist nicht nur für Audits und Regulatorik wichtig, sondern auch für das interne Vertrauen in den eigenen Sicherheitsansatz.
Fazit: Cybersicherheit neu denken – aus Risiko in der Lieferkette
Cybersicherheit ist heute weit mehr als Firewalls, Virenscanner und interne IT-Policies. Wer sein Unternehmen schützen will, muss die gesamte Lieferkette in den Blick nehmen – von der Auswahl kritischer Dienstleister über klare Anforderungen und Verträge bis hin zu wiederkehrenden Assessments und sauberer Dokumentation.
Die gute Nachricht: Unternehmen, die ihre Cybersicherheitsstrategie konsequent um den Lieferkettenblick erweitern, gewinnen nicht nur an Resilienz, sondern auch an Steuerbarkeit. Sie wissen, wo ihre größten Abhängigkeiten liegen, können Risiken priorisieren und sind im Ernstfall schneller handlungsfähig.
Kurz gesagt: Cybersicherheit beginnt bei Ihnen – aber sie endet nicht an Ihren Werkstoren.
Wir unterstützen Sie gerne dabei, die notwendigen Informationen Ihrer Lieferanten zentral und effizient auf einer Plattform zu sammeln.
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* Bei diesen Informationen handelt es sich um redaktionell zusammengefassten Content, der nicht als Rechtsberatung zu verstehen ist. VERSO übernimmt keine Haftung.
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