Bild von Windrädern in der Natur. Sie tragen u.a. dazu bei, die Emissionen von Unternehmen zu reduzieren und ihre Klimaziele zu erreichen.
08.04.2026

Klimaziele für Unternehmen festlegen: So entwickeln Sie fundierte Reduktionsziele

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Unternehmen Klimaziele fundiert festlegen, warum das Basisjahr der Klimabilanz dabei entscheidend ist und wie ein belastbarer Reduktionspfad der Emissionen entsteht.

Die Klimabilanz ist erstellt. Für viele Unternehmen folgt darauf der scheinbar logische nächste Schritt: Klimaziele festlegen.

In der Praxis ist genau dieser Schritt aber oft anspruchsvoller als gedacht. Denn zwischen einer fertigen Klimabilanz und belastbaren Klimazielen liegt eine zentrale Frage: Was ist für unser Unternehmen tatsächlich realistisch, wirksam und strategisch sinnvoll?

Viele Unternehmen definieren CO2-Reduktionsziele, bevor sie ihre Potenziale wirklich verstanden haben. Das führt entweder zu zu vorsichtigen oder zu unrealistischen Zielen. Beides hilft nicht weiter.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Unternehmen Klimaziele fundiert festlegen, warum das Basisjahr der Klimabilanz dabei entscheidend ist und wie ein belastbarer Reduktionspfad der Emissionen entsteht.

Typische Fehler beim Festlegen von Klimazielen

Wer Klimaziele festlegt, denkt oft zuerst an ein Zieljahr und eine Prozentzahl. Genau hier beginnt in vielen Unternehmen aber schon der erste Fehler. Denn ein Ziel wie „40 Prozent weniger Emissionen bis 2030“ klingt zwar konkret, ist aber nur dann belastbar, wenn klar ist, worauf es sich bezieht und wie es erreicht werden soll.

In der Praxis treten bei der Zieldefinition vor allem drei typische Fehler auf:

1. Klimaziele auf eine Zahl reduzieren

Gute Klimaziele für Unternehmen bestehen nicht nur aus einem Zieljahr und einem Reduktionswert. Sie beantworten auch zentrale Fragen:

  • Von welchem Ausgangspunkt startet das Unternehmen?
  • Welche Emissionen sind gemeint?
  • Wie ambitioniert und gleichzeitig realistisch ist das Ziel?
  • Wie lässt sich Fortschritt später messen?

Erst dann wird aus einer Zielaussage eine steuerbare Grundlage für das Klimamanagement.

2. Reduktionsziele festlegen, bevor die Potenziale klar sind

Eine Klimabilanz ist die Grundlage jeder Zielsetzung. Ohne belastbare Emissionsdaten lassen sich keine fundierten Klimaziele entwickeln.

Trotzdem reicht die Bilanz allein noch nicht aus. Sie zeigt zunächst, wo Emissionen entstehen, aber nicht automatisch, welche Reduktionspotenziale tatsächlich bestehen.

Der größte Hebel liegt nicht in jedem Unternehmen an derselben Stelle. Je nach Geschäftsmodell kann er zum Beispiel in der Energieversorgung, im Fuhrpark, in Produktionsprozessen, in der Logistik oder in der Lieferkette liegen.

Deshalb ist es sinnvoll, vor der Zieldefinition zu klären, welche Emissionsquellen besonders relevant sind, welche Potenziale sich daraus ergeben und was operativ überhaupt realistisch umsetzbar ist.

3. Nur auf das Zieljahr schauen statt auf den Reduktionspfad

Viele Unternehmen konzentrieren sich stark auf das Zieljahr. Doch ein Ziel für 2030 oder 2040 allein sagt noch wenig darüber aus, wie die Emissionen auf dem Weg dorthin sinken sollen.

Deshalb braucht es einen belastbaren Reduktionspfad der Emissionen.

Ein Reduktionspfad beschreibt, wie sich Emissionen über mehrere Jahre hinweg entwickeln sollen. Er hilft dabei, Zwischenziele zu definieren, Fortschritte messbar zu machen und die Zielerreichung nicht nur auf einen fernen Endpunkt zu verschieben.

Ein sinnvoller Reduktionspfad hilft dabei,

  • die Entwicklung über die Zeit nachvollziehbar zu machen
  • Zwischenstände besser zu bewerten
  • Zielabweichungen früher zu erkennen
  • Klimaziele strategisch besser zu steuern

Damit wird aus einem Klimaziel nicht nur ein Zukunftsversprechen, sondern ein steuerbarer Entwicklungspfad.

Was gute Klimaziele ausmacht

Belastbare Klimaziele bestehen nicht nur aus einer Zahl und einem Zieljahr. Sie sind so formuliert, dass sie Orientierung geben, intern nachvollziehbar sind und sich später auch belastbar steuern lassen.

Dafür braucht es mehr als Ambition. Belastbare Klimaziele zeichnen sich vor allem durch Klarheit und Messbarkeit aus. Dazu gehören insbesondere:

  • ein klares Basisjahr
  • ein definiertes Zieljahr
  • ein konkreter Reduktionswert
  • ein klar abgegrenzter Geltungsbereich
  • eine nachvollziehbare Datengrundlage
  • ein realistischer Reduktionspfad

Gerade bei CO2-Reduktionszielen für Unternehmen ist es wichtig, dass nicht nur das Ziel selbst formuliert wird, sondern auch die Logik dahinter nachvollziehbar bleibt. Nur dann lassen sich Ziele intern gut vertreten, strategisch einordnen und später belastbar monitoren.

Das Basisjahr der Klimabilanz: worauf Unternehmen achten sollten

Wer Klimaziele im Unternehmen festlegen will, braucht einen klaren Referenzpunkt. Genau dafür ist das Basisjahr der Klimabilanz entscheidend.

Das Basisjahr ist das Jahr, auf das sich die spätere Reduktion bezieht. Wenn ein Unternehmen seine Emissionen bis 2030 um 50 Prozent senken will, muss eindeutig klar sein, gegenüber welchem Jahr diese Reduktion gemessen wird.

Ein geeignetes Basisjahr sollte:

  • auf belastbaren Daten beruhen
  • methodisch sauber erfasst sein
  • möglichst repräsentativ für das Unternehmen sein
  • nicht stark durch Sondereffekte verzerrt sein

Das ist wichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Denn ein ungeeignetes Basisjahr kann Zielerreichung später künstlich leichter oder unnötig schwer erscheinen lassen. Für belastbare Klimaziele ist diese Grundlage deshalb zentral.

CO2-Reduktionsziele für Unternehmen: ambitioniert, aber realistisch

In der Praxis stehen Unternehmen oft vor einem Spannungsfeld: Klimaziele sollen ambitioniert sein, dürfen aber nicht an der Realität vorbeigehen.

Ein zu vorsichtiges Ziel schöpft vorhandenes Potenzial nicht aus. Ein zu ambitioniertes Ziel verliert schnell an Glaubwürdigkeit, wenn es intern nicht tragfähig ist. Gute Zielsetzung liegt deshalb genau dazwischen.

Wichtige Fragen sind dabei:

  • Welche Reduktion ist auf Basis der Emissionsdaten plausibel?
  • Wo liegen die größten Hebel?
  • Welche Rahmenbedingungen begrenzen die Umsetzung?
  • Welche Entwicklungen sind kurz-, mittel- und langfristig realistisch?

Gerade für Nachhaltigkeitsmanager:innen ist diese Balance entscheidend. Denn gute Klimaziele sollen nicht nur gut klingen, sondern im Unternehmen tatsächlich Orientierung geben.

Wissenschaftsbasierte Klimaziele für Belastbarkeit & Glaubwürdigkeit

Grundsätzlich steht es Ihnen frei, nach welchen Kriterien Sie Ihre Klimaziele definieren. Mehr und mehr Unternehmen orientieren sich dabei jedoch an wissenschaftlichen Standards. Wissenschaftsbasierte Klimaziele (wie etwa die nach der SBTi) zeichnen sich dadurch aus, dass die:

  • mit dem 1,5-°C-Pfad kompatibel sind
  • konkret und messbar ist (Basisjahr, Zieljahr, Reduktionsprozentsatz, klar definierter Scope (1, 2, 3))
  • auf realen Emissionsdaten basieren
  • Scope 3 berücksichtigen (wenn relevant)
  • Maßnahmen jetzt einleiten
  • keine übermäßige Kompensation zulassen

Nicht jedes Unternehmen muss seine Klimaziele wissenschaftsbasiert aufsetzen. Trotzdem lohnt es sich oft, sich an den Grundprinzipien solcher Zielsysteme zu orientieren. Vor allem für Unternehmen, die ihre Zielsetzung besonders belastbar und glaubwürdig aufstellen wollen, kann das ein sinnvoller Orientierungsrahmen sein. Wer sich damit vertiefter beschäftigen möchte, sollte einen genaueren Blick auf die Anforderungen der SBTi werfen.

Klimaziele im Unternehmen festlegen: In 5 Schritten zum wirksamen Reduktionspfad

Ein sinnvoller Prozess zur Zieldefinition sieht in der Regel so aus:

1. Klimabilanz verstehen

Die Klimabilanz zeigt, wo Emissionen entstehen und welche Bereiche besonders relevant sind.

2. Hotspots und Potenziale bewerten

Bevor Ziele definiert werden, sollte klar sein, wo überhaupt realistische Reduktionspotenziale liegen.

3. Basisjahr und Zielrahmen festlegen

Dann wird bestimmt, auf welches Jahr sich die Reduktion bezieht und welche Emissionen in die Zielsetzung einfließen.

4. Zieloptionen bewerten

Erst an diesem Punkt sollte entschieden werden, welche Zielhöhe und welcher Zeithorizont zum Unternehmen passen.

5. Zielsetzung intern abstimmen

Klimaziele sollten nicht isoliert entwickelt werden, sondern mit Blick auf Strategie, Datenlage und operative Realität.

Fazit: Klimaziele festlegen heißt, Reduktion planbar zu machen

Wer Klimaziele für Unternehmen festlegen will, sollte nicht mit einer isolierten Prozentzahl beginnen. Der entscheidende Ausgangspunkt ist eine belastbare Klimabilanz, ergänzt um ein realistisches Verständnis der eigenen Potenziale.

Ein gutes Zielsystem braucht ein sauberes Basisjahr der Klimabilanz, einen nachvollziehbaren Reduktionspfad der Emissionen und eine Zieldefinition, die ambitioniert, aber umsetzbar ist.

So werden CO2-Reduktionsziele für Unternehmen zu mehr als einer kommunikativen Absichtserklärung. Sie werden zur Grundlage für ein wirksames, strategisch gesteuertes Klimamanagement.

Wenn Sie Ihre Klimaziele fundiert entwickeln und die nächsten Schritte strukturiert angehen möchten, sprechen Sie gerne mit uns. Wir unterstützen Sie dabei beratend und pragmatisch.

* Bei diesen Informationen handelt es sich um redaktionell zusammengefassten Content, der nicht als Rechtsberatung zu verstehen ist. VERSO übernimmt keine Haftung. 

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