Kompass in der Natur, der sinnbildlich dafür steht, dass sich Unternehmen Klimaziele setzen, die zur Dekarbonsierung führen.
27.05.2026

SBTi-Klimaziele: So gelingt die Validierung – und was Sie über das Update wissen müssen

Wissenschaftlich fundierte Klimaziele sind eines der glaubwürdigsten Signale nach außen. Investoren, Kunden und Ausschreibungsverantwortliche prüfen gezielt, ob Ziele extern validiert sind. Was hinter der Science Based Targets initiative (SBTi) steckt, wie die Validierung von SBTi-Klimazielen abläuft und was sich mit SBTi V2 ändert.

Klimaziele nach SBTi

Wissenschaftlich fundierte Klimaziele gehören heute zu den glaubwürdigsten Signalen, die ein Unternehmen nach außen senden kann. Investoren, Kunden und Ausschreibungsverantwortliche schauen gezielt darauf, ob Klimaziele extern validiert sind. SBTi-Klimaziele (Science Based Targets initiative) haben sich dabei als internationaler Referenzstandard etabliert. Aber was steckt dahinter, wann lohnt sich der Aufwand, wie läuft die Validierung ab und was bedeutet SBTi V2 für Unternehmen, die jetzt planen?

Klimaziele: Warum der Rahmen entscheidend ist

Viele Unternehmen setzen Klimaziele. Nicht alle davon sind belastbar. Intern entwickelte Ziele ohne externe Prüfung wirken oft beliebig und werden von Stakeholdern zunehmend skeptisch bewertet. Wer glaubwürdig kommunizieren will, braucht mehr als eine selbst gesetzte CO₂-Marke.

Wie Sie Klimaziele grundsätzlich aufsetzen und was dabei wirklich zählt, haben wir in einem separaten Artikel zusammengefasst.

Was sind SBTi-Klimaziele?

Die Science Based Targets initiative (SBTi) ist ein internationaler Standard, der Unternehmen dabei unterstützt, wissenschaftlich fundierte Klimaziele festzulegen. Konkret: Unternehmen definieren Emissionsreduktionsziele, die mit dem 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens vereinbar sind. Die SBTi prüft und validiert diese Ziele anschließend unabhängig, sodass sie extern glaubwürdig und vergleichbar sind.

Kurz gesagt: SBTi sorgt dafür, dass Klimaziele nicht willkürlich gesetzt werden, sondern wirklich ausreichen, um den Klimawandel einzudämmen. Aktuell arbeitet die Initiative zudem an einer neuen Version ihres Net-Zero-Standards – SBTi V2 – die voraussichtlich noch in diesem Jahr finalisiert wird. Was das für Unternehmen bedeutet, erklären wir weiter unten.

Lohnen sich SBTi-Klimaziele für Ihr Unternehmen?

SBTi-validierte Klimaziele bieten echte Vorteile – aber der Weg dorthin ist aufwendig. Statt Vor- und Nachteile abstrakt aufzulisten, lieber konkret: Wann lohnt sich der Schritt, wann noch nicht?

SBTi-Klimaziele lohnen sich, wenn …

  • Sie externe Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren, Kunden oder in Ausschreibungen brauchen. SBTi funktioniert als unabhängiger Nachweis, dass Klimaziele methodisch sauber gesetzt wurden.
  • Sie bereits eine solide Datenbasis haben. Scope 1 und 2 sollten sauber erfasst sein, eine erste Annäherung an Scope 3 vorhanden. Ohne das wird der Prozess schnell frustrierend.
  • Nachhaltigkeit strategisch verankert ist und nicht nur als Reporting-Thema behandelt wird.
  • Sie Teil der Lieferkette großer Unternehmen sind – viele fordern SBTi-Ziele inzwischen aktiv ein.
  • Sie sich bewusst Druck machen wollen: SBTi zwingt zu echten Reduktionen, nicht zu Symbolmaßnahmen oder Kompensation.

SBTi-Klimaziele lohnen sich noch nicht, wenn …

  • Ihnen die Datenbasis komplett fehlt: keine erfassten Emissionen, keine Zuständigkeiten, kein etablierter Prozess. Dann lohnt es sich, zuerst intern Struktur zu schaffen – SBTi setzt voraus, dass die Grundlagen stehen.
  • Sie schnelle Außenwirkung brauchen. SBTi dauert und ist kein schneller Kommunikationshebel.
  • die Ressourcen für den Prozess schlicht nicht da sind. Neben Gebühren fallen interner Aufwand und häufig externe Begleitung an. Wenn Sie sich dabei Unterstützung wünschen, sprechen Sie uns gern an.
  • Sie maximale Flexibilität brauchen. Die Methodik ist strikt und lässt wenig Spielraum für individuelle Ansätze.

Corporate Carbon Footprint noch nicht berechnet?

Im Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen & worauf Sie achten sollten.

Schritt für Schritt zur SBTi-Validierung

Sie haben sich entschieden? Dann beginnt der formale Teil – und der ist detailreicher, als viele zunächst erwarten.

Schritt 1: Klimaziele einreichen (Submission)

Alle relevanten Unterlagen müssen vollständig und sauber aufbereitet sein: das Target Submission Form, Emissionsdaten (CCF, PCF), methodische Herleitungen und Unternehmensinformationen. Interne Abstimmungen und Reviews gehören dazu, bevor die formale Einreichung bei der SBTi erfolgt.

Schritt 2: Klimaziele durch die SBTi validieren

Die Initiative prüft, ob die Ziele wirklich 1,5-°C-kompatibel sind. Häufig kommt es zu sogenannten Clarification Requests – Rückfragen, bei denen Daten, Annahmen oder Abgrenzungen präzisiert werden müssen. In dieser Phase geht es darum, fachlich sauber zu antworten, Daten und Zielpfade ggf. nachzureichern und die Abstimmung zwischen Fachabteilungen und der SBTi zu koordinieren.

Schritt 3: Klimaziele umsetzen

Ziel validiert – jetzt geht es darum, den Reduktionspfad auch tatsächlich zu gehen.

Die SBTi-Validierung ist machbar. Aber sie ist Detailarbeit. Mit guter Vorbereitung läuft sie deutlich schneller und sauberer.

Klimaziele nach SBTi V2: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Die SBTi entwickelt ihren Net-Zero-Standard kontinuierlich weiter. Die aktuelle Version, auf deren Basis heute Ziele eingereicht und validiert werden, soll durch SBTi V2 abgelöst werden – einen grundlegend überarbeiteten Standard, der unter anderem strengere Anforderungen an Scope 3, Transition Planning und den Umgang mit Restemissionen mit sich bringt.

Nach zwei Konsultationsentwürfen in 2025 wird der finale Standard noch in diesem Jahr erwartet. Für Unternehmen dürfte es eine Übergangsphase geben: Neue Ziele können voraussichtlich noch bis Ende 2027 nach der bisherigen Version eingereicht werden, bevor ab 2028 die V2 für neue Ziele gilt. Bereits validierte Ziele bleiben in der Regel bis zum Ende ihrer Laufzeit bestehen.

Heißt: Akut umstellen muss niemand. Aber wer jetzt plant, sollte wissen, wohin die Reise geht.

Was Sie jetzt schon tun können:

Scope 3 neu denken

Nicht nur berechnen, sondern sauber einordnen: Welche Kategorien treiben die Emissionen wirklich? Wo fehlen belastbare Daten? Wo wird heute noch mit Annahmen gearbeitet, die eher grob als solide sind?

Von Zielsetzung zu Steuerung kommen

Künftig wird stärker zählen, wie Fortschritt gemessen wird. Gibt es klare KPIs entlang der Reduktionspfade? Werden Maßnahmen regelmäßig überprüft oder wurden sie einmal geplant und dann liegengelassen?

Den Transition Plan früh aufsetzen

Nicht als Reporting-Dokument, sondern als Steuerungsinstrument. Wer Maßnahmen, Zeitplan und Verantwortlichkeiten jetzt sauber definiert, ist später deutlich besser aufgestellt.

Die Lieferkette aktiv einbinden

Bei Scope 3 reicht es nicht mehr, Lieferanten einmalig Daten abzufragen. Es geht darum zu klären, welche Lieferanten und Warengruppen wirklich ins Gewicht fallen und mit diesen gezielt an besserer Datenqualität und konkreten Reduktionsmaßnahmen zu arbeiten.

Den Umgang mit Restemissionen klären

Carbon Removals werden wichtiger, aber nicht als Ersatz für Reduktion. Schon heute sollte realistisch eingeschätzt werden, welche Emissionen langfristig verbleiben könnten.

Nachweise mitdenken

SBTi V2 geht klar in Richtung belastbarer Nachweise. Daten sollten nachvollziehbar, konsistent und anschlussfähig sein – Fortschritt muss belegbar sein, nicht nur ungefähr plausibel wirken.

Wer diese Punkte jetzt angeht, muss mit SBTi V2 nicht bei null anfangen, sondern kann auf dem aufbauen, was im Unternehmen bereits vorhanden ist.

Der PCF wird für SBTi V2 wichtiger. Jetzt damit beginnen.

Saubere Daten aus Scope 3 sind schon jetzt für eine SBTi-Validierung wichtig. Mit der neuen Version liegt der Fokus noch stärker auf Emissionen aus der Lieferkette. Höchste Zeit, sich dem PCF zu widmen. Der Leitfaden führt Sie schrittweise durch die Berechnung.

Auf dem Weg zu validierten SBTi-Klimazielen begleiten wir Sie gern

SBTi-Ziele setzen eine belastbare Datenbasis voraus: sauber erfasste Emissionen, klare Reduktionspfade, nachvollziehbare Fortschrittsmessung. Wenn Sie diesen Weg strukturiert angehen möchten, begleiten wir Sie dabei.

* Bei diesen Informationen handelt es sich um redaktionell zusammengefassten Content, der nicht als Rechtsberatung zu verstehen ist. VERSO übernimmt keine Haftung. 

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