Wie Sie PPWR-Daten für DPP und PCF mitnutzen
Dreimal dieselben Lieferanten anschreiben? Muss nicht sein. Dieser Blogartikel zeigt Ihnen, wie PPWR, DPP und PCF aus einer einzigen Datenbasis bedient werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Daten, die Sie für die PPWR erfassen, werden an zwei weiteren Stellen gebraucht: beim Digitalen Produktpass und beim Product Carbon Footprint.
- Weil PPWR, DPP und PCF auf dieselben Daten zugreifen, droht schnell eine doppelte Erhebung. Das passiert vor allem dann, wenn die Daten isoliert abgelegt werden und andere Teams nichts davon wissen.
- Wer die Daten einmal strukturiert in einem System erfasst, statt sie bei jeder Anforderung neu zusammenzutragen, spart sich langfristigen Mehraufwand.
Die PPWR bringt seit August 2026 die ersten verbindlichen Pflichten für Verpackungen für Unternehme auf EU-Ebene, weitere folgen gestaffelt bis 2030. Für viele Einkaufs- und Verpackungsverantwortliche liegt deshalb ein Gedanke nahe: die nötigen Daten einmal für die PPWR zusammentragen und das Thema damit als erledigt betrachten. Doch genau diese Materialdaten werden an anderer Stelle noch einmal gebraucht: beim Digitalen Produktpass und beim Product Carbon Footprint. Wer das nicht mitdenkt, sucht bei der nächsten Anforderung dieselben Angaben ein zweites Mal.
Welche PPWR-Daten Sie jetzt erheben müssen
Ein Teil der Pflichten gilt bereits, der größere Rest folgt gestaffelt in den nächsten Jahren. Bereits seit August 2026 in Kraft:
- Konformitätserklärung und technische Dokumentation für jede Verpackung
- Herstelleridentifikation, etwa über Typen-, Chargen- oder Seriennummer
- Angaben zur Materialzusammensetzung
- Stoffbeschränkungen für bestimmte Schadstoffe, etwa PFAS
Weitere Anforderungen der PPWR treten erst in den kommenden Jahren in Kraft: Die Design-for-Recycling-Kriterien werden bis 2028 festgelegt und greifen verbindlich ab 2030, ebenso die Mindestrezyklatanteile in Kunststoffverpackungen. Die QR-Code-gestützte Kennzeichnung kommt gestaffelt: Ab 12. Februar 2027 können einzelne EU-Mitgliedstaaten sie für bestimmte Verpackungen vorschreiben, ab 12. August 2028 wird die harmonisierte EU-weite Kennzeichnung mit Angaben zu Materialzusammensetzung, Sortiervorgaben und Recyclinganteil verpflichtend, ab 12. Februar 2029 kommt ein zusätzliches Label für wiederverwendbare Verpackungen hinzu.
Wo brauchen Sie PPWR-Daten außerdem?
Die Materialzusammensetzung, die Sie für die PPWR dokumentieren, brauchen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zweimal.
Beim Digitalen Produktpass:
Der Digitale Produktpass (DPP) – ein digitaler Datensatz zu Herkunft, Material und Recyclingfähigkeit eines Produkts, verankert in der EU-Ökodesign-Verordnung ESPR – soll laut einem EU-Kommissions-Signal ab 2028 auch für Verpackungen gelten; der finale Rechtsakt steht noch aus. Schon heute schreibt die PPWR vor: Verlangt ein anderer EU-Rechtsakt für das verpackte Produkt einen DPP, darf die Verpackung nur einen einzigen Datenträger tragen. Wer die Materialdaten jetzt strukturiert für die PPWR-Kennzeichnung erhebt, legt damit technisch und inhaltlich bereits die Grundlage für einen künftigen Verpackungs-DPP.
Beim Product Carbon Footprint:
Der Product Carbon Footprint (PCF), also die CO₂-Bilanz eines einzelnen Produkts über seinen Lebensweg, braucht dieselbe Materialzusammensetzung und dieselben Gewichtsangaben als Berechnungsgrundlage. Wer diese Daten schon für die PPWR sauber erfasst hat, spart sich hier einen eigenständigen Erhebungsschritt.
Ein Blick auf die konkreten Datenpunkte macht die Überschneidungen von PPWR, DPP und PCF gut sichtbar:
| Datenpunkt | Relevanz für PPWR | Relevanz für DPP | Relevanz für PCF |
|---|---|---|---|
| Materialzusammensetzung | Pflichtangabe | Kernangabe | Basis der Emissionsberechnung |
| Gewichts-/Mengenangaben je Material | Pflichtangabe | Pflichtangabe | Basis der Massenbilanz |
| Recyclinganteil (Rezyklat) | Ab 2030 Pflichtangabe | Pflichtangabe | Teilweise relevant für Emissionsfaktoren |
| Herstelleridentifikation | Pflichtangabe | Pflichtangabe (Wirtschaftsakteur) | Nicht relevant |
| Entsorgungs- und Sortierhinweise | Ab 2028 Pflichtangabe | Pflichtangabe | Indirekt über Recyclingfähigkeit |
| Rohstoffherkunft / Lieferantenangaben zu Vorprodukten | Teilweise relevant | Teilweise relevant, v. a. kritische Rohstoffe | Grundlage für vorgelagerte Emissionsdaten |
| Schadstoffangaben (SVHC/REACH) | Pflichtangabe | Pflichtangabe | Nicht relevant |
Wie nutzen Sie diese Überschneidungen, um Zeit und Kosten zu sparen?
Indem Sie die Daten nicht isoliert in unterschiedlichen Tools sammeln, sondern zentral in einer Lösung, aus der sich PPWR, DPP und PCF gemeinsam bedienen.
Landen die Materialdaten in einer Excel-Liste, die nur das PPWR-Projektteam kennt, fragen Sie dieselben Angaben bei der nächsten Anforderung, ob DPP oder PCF, erneut bei Ihren Lieferanten an. Liegen sie stattdessen so ab, dass auch die zuständigen Teams darauf zugreifen können, fällt diese zweite Anfrage weg.
Brauchen Sie dafür wirklich eine Softwarelösung?
Für die aktuell geltenden PPWR-Pflichten reicht bei einigen Unternehmen eine manuelle Erhebung noch aus. Das ändert sich aus zwei Richtungen gleichzeitig. Zum einen wächst der Aufwand allein für die PPWR: Mit den Anforderungen, die zwischen 2027 und 2030 hinzukommen, steigt die Anzahl der Datenpunkte pro Verpackung, der Pflegeaufwand bei jedem Redesign und die Zahl der SKUs, die aktuell gehalten werden müssen. Zum anderen zahlt sich dieselbe Datenbasis noch einmal aus, sobald Sie sie für DPP und PCF weiterverwenden. Eine Softwarelösung rechnet sich deshalb doppelt: Zum einen über die wachsenden PPWR-Anforderungen selbst, zum anderen aber auch über die Wiederverwendung der Daten für andere Anforderungen.
Was heißt das für die Praxis im Einkauf?
Meist liegt die Erhebung der Daten für die PPWR im Einkauf. Das sind unsere Tipps für den Einkauf:
- Daten zentral ablegen: Lieferanten-, Material- und Produktdaten gehören an einen Ort statt in mehrere Insel-Tools. Lieferantendaten an einem Ort zu managen ist ohnehin Kernaufgabe im Supply Chain Hub. Die Materialdaten für die PPWR liegen damit von Anfang an dort, wo auch andere Teams sie finden.
- Einen gemeinsamen Fragebogen nutzen: Fragen Sie die Angaben für PPWR, DPP und PCF in einer Lieferantenanfrage ab, statt bei jeder neuen Anforderung erneut anzuklopfen. Einheitliche Felder und Einheiten sorgen dafür, dass sich die Antworten direkt weiterverwenden lassen.
- Teams früh einbinden: Klären Sie frühzeitig, welche Teams den DPP und den PCF berechnen und Zugriff auf dieselben Daten brauchen.
- Nachweise gleich mitfordern: Lassen Sie sich Datenblätter, Lieferantenerklärungen und Zertifikate direkt mit den Angaben übermitteln und legen Sie sie bei den Daten ab. Wer die Datenlieferung zusätzlich in Rahmenverträgen verankert, muss später weniger hinterherfragen.
- Datenpflege von Anfang an regeln: Legen Sie fest, wer die Daten bei einem Redesign oder Lieferantenwechsel aktualisiert. Sonst veralten die Angaben schneller, als die nächste Anforderung kommt.
- Mit dem größten Hebel starten: Beginnen Sie bei den Verpackungen und Lieferanten mit dem höchsten Volumen. So entsteht früh eine belastbare Datenbasis, auch wenn das Team klein ist.
Sie wollen wissen, wie sich Ihre PPWR-Datenerhebung sinnvoll mit DPP und PCF verzahnen lässt? Sprechen Sie uns an und wir zeigen Ihnen, wie Sie all das mit VERSO umsetzen.
Die wichtigsten Fragen zur Mehrfachnutzung von Daten für PPWR, DPP und PCF
Alle drei greifen auf dieselben Datenpunkte zurück, etwa Materialzusammensetzung und Recyclinganteil. Der Digitale Produktpass (DPP) ist rechtlich ein ESPR-Instrument; für Verpackungen ist er laut einem EU-Signal ab 2028 geplant, der finale Rechtsakt steht aber noch aus. Die PPWR schreibt schon heute vor, dass sich Verpackung und DPP einen einzigen Datenträger teilen müssen. Wer die PPWR-Daten jetzt strukturiert erhebt, ist damit auch für PCF und einen künftigen DPP vorbereitet.
Nicht zwangsläufig. Es gibt viele Überschneidungen zwischen den Anforderungen, für diese Daten reicht dann eine einzige Erhebung.
DPP und PCF sind die naheliegendsten Beispiele, aber nicht die einzigen. Auch Lieferketten-Sorgfaltspflichten, Ökodesign-Anforderungen für andere Produktgruppen und interne Nachhaltigkeitsberichte fragen oft dieselbe Materialzusammensetzung oder Lieferantenangaben ab. Wer die Daten einmal strukturiert erfasst, reduziert den Aufwand bei jeder dieser Anfragen zusätzlich.
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: welche Materialdaten liegen bereits vor, wo liegen sie, und wer im Unternehmen greift heute schon darauf zu. Darauf aufbauend lässt sich eine gemeinsame Lieferantenabfrage entwickeln, die mehrere Anforderungen gleichzeitig abdeckt, statt für jede neue Anforderung eine eigene Abfrage zu starten.
Mindestens die Teams, die PPWR-Konformität, DPP und PCF verantworten, typischerweise Einkauf, Verpackungsentwicklung und Nachhaltigkeit. Je früher diese Teams wissen, dass sie dieselbe Datenbasis nutzen, desto seltener fragen sie dieselben Angaben mehrfach bei Lieferanten an.
Ja, auch wenn der Effekt bei wenigen SKUs kleiner ausfällt. Der Aufwand für die einmalige, strukturierte Erhebung unterscheidet sich kaum von einer isolierten Erhebung, der Nutzen bei der zweiten und dritten Verwendung der Daten aber schon.
* Bei diesen Informationen handelt es sich um redaktionell zusammengefassten Content, der nicht als Rechtsberatung zu verstehen ist. VERSO übernimmt keine Haftung.
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