LCA vs. PCF vs. EPD: Was sind die Unterschiede und wann brauchen Sie welches Instrument?
LCA vs. PCF vs. EPD: Wer sich mit der Umweltwirkung von Produkten beschäftigt, kommt an diesen drei Kürzeln nicht vorbei. Aber was bedeuten sie? Wann macht welches Instrument Sinn? Im Artikel erhalten Sie einen Überblick. Und: Was ist die Rolle des CCF dabei?
LCA vs. PCF vs. EPD: Ein Überblick
Bevor wir tiefer einsteigen in die einzelnen Instrumente zur Berechnung und Darstellung der Umweltwirkung von Produkten, wollen wir Ihnen einen kurzen tabellarischen Überblick bieten. Sodass Sie schonmal auf einen Blick sehen, worauf Sie beim Vergleich LCA vs. PCF vs. EPD (Product Carbon Footprint vs. Life Cycle Assessment vs. Environmental Product Declaration) achten sollten.
| PCF | LCA | EPD | |
|---|---|---|---|
| Ausgeschrieben | Product Carbon Footprint | Life Cycle Assessment | Environmental Product Declaration |
| Was misst es? | Treibhausgasemis-sionen eines Produkts in CO₂e | Mehrere Umweltwir-kungen: Klima, Wasser, Ressourcen, Versauer-ung, Landnutzung u. a. | Umweltprofil eines Produkts, drittverifiziert und veröffentlicht |
| Standard | ISO 14067 | ISO 14040, ISO 14044 | ISO 14025, EN 15804 (Bau) |
| Verifizierung | Optional | Optional | Verpflichtend durch Dritt |
| Wirkungsbereich | Klima | Mehrere Wirkungskategorien | Mehrere, je nach Produktkategorie |
LCA vs. PCF vs. EPD: Die Instrumente kurz erklärt
Wollen wir uns nun PCF, LCA und EPD mal etwas genauer anschauen. PCF, LCA und EPD beschreiben alle die Umweltwirkungen eines Produkts, aber auf verschiedene Weise. Der eine misst nur das Klima, der andere ein ganzes Bündel an Wirkungen, der dritte bringt die Ergebnisse in eine öffentlich vergleichbare Form. Wer sie verwechselt, liefert am Ende zu viel oder zu wenig. Die drei im Einzelnen:
Product Carbon Footprint (PCF)
Der Product Carbon Footprint (PCF) misst nur die Treibhausgasemissionen eines Produkts, ausgedrückt in CO₂e. Der etablierte Standard ist hier die ISO 14067. Ein PCF ist vor allem dann sinnvoll, wenn Kund:innen nach konkreten CO₂-Werten fragen, CBAM-Daten gebraucht werden oder ein Hotspot fürs Klima identifiziert werden soll. Übrigens: Der PCF ist nicht zu verwechseln mit dem Corporate Carbon Footprint, der sich auf das ganze Unternehmen bezieht – der PCF kann aber in den CCF einfließen.
Life Cycle Assessment (LCA)
Wenn es um LCA vs. PCF geht, kann man klar sagen: Das Life Cycle Assesment, zu Deutsch Lebenszyklusanalyse, geht deutlich über den PCF hinaus. Hier wird nicht nur die Klimawirkung in Form von Emissionen betrachtet, sondern auch Wasserverbrauch, Ressourcen, Versauerung, Landnutzung. Beliebte Standards sind hier die ISO-Normen 14040 und 14044. Bie der Entscheidung Product Carbon Footprint vs. Life Cycle Asssessment gewinnt die LCA vor allem dann, wenn Sie Produktentscheidungen über mehrere Umweltwirkungen treffen wollen, etwa beim Redesign oder bei der Materialwahl.
Environmental Product Declaration (EPD)
Bei der Frage nach LCA vs. PCF kommt auch die EPD ins Spiel. Die Environmental Product Declaration EPD ist ein drittverifiziertes, öffentliches Dokument auf Basis einer LCA. Der klassische Standard hierfür ist die ISO-Norm 14025, wobei es beispielsweise für Bauprodukte auch zusätzlich die EN 15804 gibt. Die EPD ist oft dann notwendig, wenn Sie Umweltdaten extern kommunizieren – in Tendern, bei Gebäudezertifizierungen oder gegenüber Kund:innen, die verifizierte Vergleichbarkeit verlangen.
Vereinfacht gesagt: Die LCA ist die umfassende Methode zur Berechnung der Umweltwirkung von Produkten, der PCF ist der Klima-Teil der LCA und die EPD ist die verifizierte Form für die Öffentlichkeit.
Und der CCF?
Der Corporate Carbon Footprint (CCF) fällt bei der Frage LCA vs. PCF vs. EPD aus der Reihe, weil er nicht ein einzelnes Produkt betrachtet, sondern die Treibhausgasemissionen eines ganzen Unternehmens. Erfasst wird er entlang der Scopes 1, 2 und 3 nach dem GHG Protocol, von der Heizung im Büro bis zur Lieferkette. PCF und CCF ergänzen sich: Produktdaten aus dem PCF können in die Scope-3-Bilanz des CCF einfließen. Wie Sie Ihren Corporate Carbon Footprint berechnen, lesen Sie in unserem Blogbeitrag zum CCF.
LCA vs. PCF vs. EPD: Welche brauche ich wann?
Ob ein PCF reicht oder es eine LCA oder EPD sein muss, entscheidet sich am Anlass: Wer fragt, wofür werden die Daten gebraucht und in welcher Form müssen sie am Ende vorliegen. Genau daran lässt sich gut festmachen, ob ein PCF reicht, eine LCA nötig ist oder eine EPD verlangt wird. Drei Fragen führen meist schnell zur Antwort:
1. Wer fragt und wofür?
Kommt die Anfrage aus dem Einkauf eines Kunden, geht es fast immer um CO₂-Daten für die eigene Scope-3-Bilanz oder die Lieferketten-Berichterstattung. Ein PCF reicht. Geht es um eine öffentliche Ausschreibung oder eine Gebäudezertifizierung, wird in der Regel eine EPD verlangt. Geht es um interne Produktentscheidungen, ist eine LCA die belastbarere Grundlage.
2. Reicht der Blick auf CO₂ oder müssen mehrere Umweltwirkungen berücksichtigt werden?
Für CBAM, Dekarbonisierungsstrategien und die meisten Kundenanfragen reicht der PCF. Wer Materialien vergleicht, Verpackungen neu denkt oder Kreislauflösungen prüft, kommt mit Klima allein nicht weiter. Dann ist die LCA das richtige Werkzeug.
3. Müssen die Daten in standardisierter Form öffentlich vergleichbar sein?
Für interne Steuerung und die meisten Kundenanfragen nicht. Für Tender, Gebäudezertifizierungen oder Marktkommunikation, in der Produkte direkt miteinander verglichen werden, schon. Genau dort spielt die EPD ihre Stärke aus: einheitliche Produktkategorieregeln machen Produkte derselben Kategorie wirklich vergleichbar.
Wie hängen PCF, LCA, EPD und CCF zusammen?
Kurz zusammengefasst:
- LCA vs. PCF ist eigentlich falsch, denn der PCF steckt in der LCA: Sie deckt mehrere Umweltwirkungen ab, er greift davon die Treibhausgasemissionen heraus.
- Und auch die EPD ist kein ganz eigenständiges Instrument. Die EPD bringt die LCA-Ergebnisse in eine standardisierte, öffentliche Form.
- Der CCF liegt eine Ebene höher, beim ganzen Unternehmen. PCF und EPD liefern ihm Produktdaten für die Scope-3-Bilanz.
PCF, LCA, EPD und CCF stehen nicht nebeneinander, sondern bauen aufeinander auf. Die LCA ist die Methode im Hintergrund: Sie bewertet die Umweltwirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus. Der PCF ist dabei eine einzelne Wirkungskategorie aus der LCA, nämlich das Treibhauspotenzial, ausgedrückt in CO₂e. Die EPD wiederum stellt die Ergebnisse einer LCA in standardisierter, drittverifizierter und öffentlicher Form dar.
Der CCF betrachtet eine andere Ebene: nicht ein einzelnes Produkt, sondern die Emissionen eines ganzen Unternehmens entlang der Scopes 1, 2 und 3. Hier schließt sich der Kreis zum Produkt, denn Produktdaten aus dem PCF können in den Scope-3-Teil des CCF einfließen.
Eine Datenbasis für PCF, LCA, EPD und CCF
PCF, LCA, EPD und CCF konkurrieren nicht miteinander, sie beantworten unterschiedliche Fragen. Welches Instrument Sie brauchen, hängt am Anlass, und oft brauchen Sie im Lauf der Zeit mehrere davon: heute einen PCF für einen Kunden, morgen eine LCA fürs Redesign, später eine EPD für die Ausschreibung. Je klarer Sie die Unterschiede kennen, desto gezielter liefern Sie das Richtige, ohne Aufwand zu verschenken.
Was die vier verbindet, sind die Daten dahinter: Sie greifen auf weitgehend dieselben Produktdaten zurück bzw. bauen aufeinander auf. Wer den CO₂-Wert eines Produkts sauber erhoben hat, hat einen großen Teil der Arbeit für die LCA schon erledigt, und deren Ergebnisse wiederum sind die Basis für eine EPD. Der eigentliche Aufwand steckt selten im einzelnen Nachweis, sondern in einer belastbaren, nachvollziehbaren Datengrundlage. Sind die Daten verstreut oder lückenhaft, fängt man bei jeder neuen Anfrage von vorne an. Liegen sie sauber vor, lässt sich daraus je nach Anlass der passende Nachweis ableiten.
Genau hier setzt der VERSO Climate Hub an: Er bündelt die Produktberechnungen, PCF wie LCA, auf einer gemeinsamen Datengrundlage.
* Bei diesen Informationen handelt es sich um redaktionell zusammengefassten Content, der nicht als Rechtsberatung zu verstehen ist. VERSO übernimmt keine Haftung.
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